Über das Projekt So wird Berlin

Für OpenDataCity haben 16 VolontärInnen der Evangelischen Journalistenschule Berlin und ich uns in einem mehrwöchigen Projekt mit Daten zur Zukunft Berlins befasst. Wir haben sie in Zusammenarbeit mit der Berliner Morgenpost ausgewertet und aufbereitet, Geschichten dazu gefunden und erzählt.

Das Ergebnis findet sich auf der Website sowirdberlin.de, mit sechs verschiedenen Aspekten:

Julius Tröger von der Berliner Morgenpost hat uns mit seinem Team sehr unterstützt, mit redaktionellem Rat und programmierenden Taten, besonders mit interaktiven Karten und bei der Optimierung der Website. Wir haben im Endspurt einige Zeit damit verbracht, die Seite für mobile und Desktop-Darstellung zu optimieren.


Beispiel 1: Interaktive Karte aus So viele: Welche Kieze bis 2030 schrumpfen oder wachsen

Ungewöhnlich im Vergleich zur üblichen Journalistenaus- und -weiterbildung ist der lange Zeitraum von drei Wochen, den der Leiter der Evangelischen Journalistenschule, Oscar Tiefenthal, für das Thema Datenjournalismus vorgesehen hat. Dadurch war es möglich, inhaltliche und technische Aspekte Stück für Stück vorzustellen und praktisch zu vertiefen.

Umfangreiche Datenrecherchen

Die Datenrecherche war etwas herausfordernder als üblich, da es um umfassende Prognosen ging, die zugleich räumlich sehr fein aufgeteilt sein mussten. Als Beispiel kann die Entwicklung des Klimas in Berlin dienen, wofür wir die Temperaturen deutlich kleinräumiger benötigten als nur für einen Doppelbezirk wie etwa Steglitz und Zehlendorf.

Diese Kombination erforderte viel Recherche und Hartnäckigkeit der VolontärInnen, und zeigte ihnen zugleich ein realistisches Bild der datenjournalistischen Arbeit: Recherche und Säubern der Daten sind der Löwenanteil, Visualisierung und Storytelling gehen dann vergleichsweise schnell. Bei der Web-Umsetzung haben wir mit der Interaktionsdesignerin Cornelia Geissler zusammengearbeitet.


Beispiel 2: Durchschnittliche Anzahl von Hitzetagen und Tropennächten pro Jahr für die Zeiträume 2001 bis 2010 sowie 2090 bis 2099 – aus So warm: Wo es 2100 so heiß wie am Mittelmeer wird

Die Daten waren in einigen Fällen ziemlich aufwändig weiterzuverarbeiten, etwa weil sie als Excel-Dokumente mit über 60 einzelnen Tabellenblättern kamen und die Volontäre viele Zeit mit Hin- und Herkopieren verbringen mussten. Die Klimadaten wiederum bekamen wir deutlich feiner aufgelöst als wir sie verwenden durften – in Rasterpunkten von 25 x 25 Metern. Auf Kiez-Ebene (Lebensweltlich orientierte Räume) mussten wir sie selbst umrechnen – eine Aufgabe, an der wir ohne die tatkräftige Unterstützung von Achim Tack vermutlich gescheitert wären. Auch deswegen, weil wir Daten im proprietären ArcGIS-Dateiformat bekamen, aus dem wir selbst mit einer Test-„Vollversion“ von ArcGIS die Daten nicht exportieren konnten.

Lessons learned

So wird Berlin ist das zweite Datenprojekt der Evangelischen Journalistenschule. Das Vorjahresprojekt „So glaubt Berlin“ war fokussiert auf Religion in Berlin. Mit Martin Virtel, Oscar Tiefenthal und Julius Tröger habe ich überlegt, wie wir einen breiteren thematischen Fokus hinbekommen, ohne komplett auszufasern. Damit die Volontäre die anspruchsvollen Recherchen zum gewählten Thema Berlins Zukunft umsetzen konnten, haben wir uns ab März regelmäßig mit ihnen getroffen und die Themen besprochen und eingegrenzt. Beim nächsten Mal würde ich dazu neigen, ein enger gefasstes Thema mit mehreren Gruppen aufzubereiten. So können sich die einzelnen Teilnehmer bei der Datenrecherche gegenseitig unterstützen und die Recherche dauert möglicherweise nicht ganz so lang.

Außerdem sind Julius Tröger und ich zum Schluss gekommen, dass wir uns auf weniger Tools bei der Umsetzung festlegen sollten. Denn es geht letztlich darum, einen kreativen Umgang mit Standard-Tools zu lernen und sich auf die Daten zu konzentrieren. Auch der Aufwand, am Ende eine Seite mit vielen Speziallösungen nahezu perfekt zum Laufen zu bringen, ist ungleich höher.